Mittwoch, 30. April 2008

Zurückhaltung

Verblichene Zeilen, vergilbtes Papier

versteckt seit Jahrzehnten im staub´gen Verlies,

wer sollte es finden gerade hier

und was für ein Mensch, der es hinterliess?

Es schleicht jene unerklärliche Scheu sich

ein, das Geheimnis aufzudecken,

die Mitteilung war bestimmt nicht für mich,

dann brauchte man sie nicht zu verstecken.

Auch war sie schon alt, der sie lesen sollte,

weilt bestimmt nicht mehr auf Erden,

gleichwohl meine Neugier es auch wollte,

ich konnte nicht zum Mitwisser werden.

So falt ich das alte, vergilbte Blatt

und lege es zurück ungelesen.

Was immer der Schreiber Geheimes hat,

es bleibt so geheim, wie es gewesen.

Montag, 28. April 2008

Nein, wie unkritisch…

Hauspoet und Kritikus,

glaubst du, dass es sein muss,

dass der Fokus der Kritik

Medien trifft und Politik?

Lässt du dich denn nicht belehren,

vor der eignen Tür zu kehren?

Schau doch mal genauer hin,

denn den Leuten steht der Sinn

dir für dein geruhsam´ Leben

jede Möglichkeit zu geben.

Also sprach wohl mein Gewissen.

Soll ich Selbstkritik geniessen?

Nein, dann wär´ ich Egoist,

weil der aufs Ich fixieret ist.

Lieber lass ich die Ergüsse

der Satire feiner Grüsse

denen, die im Rampenlicht.

Doch da steh ich eben nicht,

weil ich hämisch und lichtscheu

mich an Fehlern andrer freu!

Wundersame Verben

Heute konnte ich es wagen,

den Ölmultis ein Schnippchen schlagen.

Ich hab ´s dem Wetter zu verdanken,

denn ich konnte Sonne tanken.

Der Regen hatte mir gestunken,

die Sonne macht mich freudetrunken.

Der Kirschbaum und der Apfel blühen,

es blühten auch die Fantasien.

Während schon die Tulpen sprossen,

ist die Hecke hoch geschossen.

Glocken klingen zu mir her,

mir schlägt keine Stunde mehr!

Der Hartriegel kriegt auch schon Zacken,

doch ich krieg heut nichts mehr gebacken,

weil ich faul in dem Deckchair liege

und mich in meinen Träumen wiege.

So einfach ist die Weltensicht,

bis dass mich nicht der Hafer sticht,

nein, eine Wespe, dieses Biest

hat mir jetzt grad die Tour vermiest.

Und so endet mein Gedicht:

dichten mit dem Auge dicht

kann ich nicht!

Sonntag, 27. April 2008

Ein wunderliches Tier

Sie konnt` nicht fliegen –

flügellahm;

auch hatte sie es wohl am

Darm.

Denn was herauskam, ich mein

hinten,

das war oft fürchterlich am

Stinken.

Obwohl sie überhaupt nichts

frass,

passierte ihr es oft, so `n

Aas.

Sie quakte viel und

schnatterte,

als sie rotierend

ratterte –

und glaubte sich fürwahr in

Bild.

Rief man zur Ordnung, wurd` sie

wild.

Doch ihr Besitzer wurde

reich.

Wie hiess doch dieses Tierchen

gleich?

Ach ja, es war die

Zeitungsente,

die geht vorerst noch nicht in

Rente,

denn BILDung ist ein hohes

Gut.

Wie gut, wenn man noch

lesen tut!

Samstag, 26. April 2008

Nähe

Harnische, geschmiedet,

Stichen und scharfer Klinge

wehrend.

Nahkampfgeschützte Panzerung.,

veraltet

nutzlos

unbrauchbar

gegen heutige Nähe

erdrückend, kontrollierend,

scharfzüngig verletzend,

wuselnde fummelnde

raumfüllende Nähe

stickt und zertrampelt:

nahe, zu nahe Nähe,

herzkrampfende

Umklammerung des Ichs.

Komm mir nicht zu nahe,

Nähe!

Freitag, 25. April 2008

Ruhephase

Bewegung im ständigen Lebenstanz,

dem Glücklichen schlägt die Stunde nicht,

abhängen abzappeln, nicht ruhen

rhythmische Füsse, Hüften und Arme:

aber immer mit Abstand, bitte,

denn Nähe schmerzt.

Zappeln, rocken schütteln,

wabbeln, wabern, wrobben,

Bewegung in und um sich selbst,

herrliches Mitternachtsvergessen,

zuckendes Laserlicht, volle Dröhnung

auf das schmerzende Trommelfell,

eintauchen in das Entspannungsbad,

wegschieben, wegdrücken

den Alltag und dessen

Hektik

Lärm

Unruhe

endlich, endlich Befreiung von all dem!

Erwachen

Schwerer Träume drückend Last,

im Hirn verworrenes Gespinst

Bilder in verschwimmender Hast,

Klarheit, die du nicht gewinnst.

Atemrhytmus keuchend schwer,

aufschreckend dann ein Schrei,

wo bist du – weißt es jetzt nicht mehr.

Doch das Erschrecken geht vorbei,

denn du erwachst mit einem Mal.

Erleichterung in deinem Blick,

vorbei diffuse, ungewisse Qual.

zugleich ein Wohlgefühl und Glück

Gespinste, düster, sind verdrängt,

du kehrst zu deinem Selbst zurück,

da frischer Morgen dich umfängt.

Zum Selbst? Wurd dir nicht offenbar

in schrecklich traumgestörter Nacht,

dass das, was nur verborgen war,

dich auch zu deinem Selbst gemacht?