Montag, 7. Januar 2008

Der Schienenstrang

Versonnen blick ich so entlang

am Bahndamm auf den Schienenstrang,

der gleichwohl eisern ist geführt,

sich spitz am Horizont berührt.

Ich weiss genau, es täuscht der Blick,

doch rätsel ich, welches Geschick

den Zug erfasst, der da hin eilt.

Wird er vielleicht gar eingekeilt?

Entgleist er, muss er vorher stoppen?

Ich weiss genau, die Augen foppen!

Und dennoch schleicht sich die Idee

am Bahndamm ein, an dem ich steh.

Doch ist es wie im richt´gen Leben,

denn es wird immer Hoffnung geben.

Scheint´s dir als würd´ es eng und enger,

der Schienenstrang ist sehr viel länger,

und was am Horizont beschränkt,

bist du erst da, dich nicht beengt.

Samstag, 5. Januar 2008

Zwei Gesichter

Die Quelle springt,

ein Vöglein singt,

schöner Deutscher Wald:

meines Herzens Heimat,

ach, Du mein Seelenhalt.

Die Quelle sprudelt,

die Hände besudelt,

schrecklicher Deutscher Wald,

meines Herzens Scham,

ach, ach so seelenkalt.

Der Quell versiegt,

danieder liegt,

stolzer Deutscher Wald

meines Herzens Ruf

ach, Antwort, die verhallt.

Die Quelle ist wieder

Vögel singen Lieder,

grüner Deutscher Wald,

beschwert mein Herz,

ach, Echo widerhallt.

Donnerstag, 3. Januar 2008

Nochmal: Schwarzer Humor

Verkehrskontrolle

Viele Wege führen nach Lippborg – und ebenso viele von dort weg. Fährt man am Ortsausgang links auf die B 475 Richtung Soest, passiert man im weitem Bogen die Lippebrücke und tappt dann dort in eine Verkehrsfalle. Zwei Schilder – erst 70 km/h, dann 50 km/h dicht hinter einander – fette Beute für anschliessende Verkehrskontrollen.

Mit Sonne im Herzen und dem Chor der Gefangenen aus Verdis Nabucco fahre ich beschwingt der Musik folgend mit Schlangenlinien und den vorgeschriebenen 70 km/h plus 50 km/h über die Brücke und schaffe es gerade noch vor dem grünen Männchen – einem Ordnungshüter zum Stehen zu kommen. Natürlich habe ich ein schlechtes Gewissen – aber auch eine raffinierte Strategie.

„Verkehrskontrolle, Ihren Führerschein bitte!“

„Oh, tut mir leid, der liegt beim Amtsgericht …. wegen Trunkenheit am Steuer.“ Der Wachtmeister ist irritiert. „Fahrzeugpapiere“, bellt er mich an. Ich tue, als ob ich sie im Seitenfach suche. „Moment, bitte, das Fahrzeug gehört mir nicht“, sage ich zur Entschuldigung.

„Im Handschuhfach“, versucht mein finster blickender Gegenüber zu helfen.

„Kann nicht sein, da ist doch die Pistole drin!“

„Welche Pistole?“ Ratlosigkeit.

„Na, die, mit der ich meinen Nachbarn erschossen habe, wegen des Lärms…aber da fällt mir gerade ein, ich kann die Papiere gar nicht im Fahrzeug haben, ich hab ´s doch gerade erst geklaut! Schliesslich bin ich doch nicht blöd und transportiere eine Leiche in meinem eigenen Kofferraum.“

Der Polizist zieht wortlos seine Dienstwaffe, tritt zwei Schritte zurück.

„Hände auf das Lenkrad, keinen Mucks,“ brüllt er und meint das todernst. Dann nestelt er sein Funkgerät mit der linken Hand aus seiner Brusttasche und fordert mit Schweissperlen auf der Stirn ein Einsatzkommando an. Keine zehn Minuten später trifft das mit voller Musik ein. Finster blickende Gestalten umstellen mit gezückten Waffen im gehörigen Abstand mein Auto. Der Einsatzleiter wagt sich heran.

„Name“, schreit er. Ich sage ihn ganz brav. „Führerschein, Fahrzeugpapiere!“

Ich ziehe beides vorsichtig aus meiner Brusttasche. Kurze Überprüfung. „Handschuhfach öffnen!“ Der nächste Befehl klingt schon nicht mehr so aufgeregt. Ich öffne. Im Handschuhfach liegt ein Paket Papiertaschentücher (ich könnte auch Tempo sagen –aber ich kaufe ja im Aldi). „Steigen Sie bitte aus!“ Bitte hat er gesagt. Ich rolle mich aus meinem Fahrersitz (man erinnert sich: ich habe Rücken!).

„Öffnen Sie den Kofferraum“. Tu ich, da sind nur ein paar Einkaufstaschen drin.

Der Einsatzleiter ist verwirrt. „Mein Kollege hat etwas von einem Mord und einer Leiche erzählt!“

„HA!!!“ bringe ich sarkastisch hervor – vielleicht behauptet er sogar noch, dass ich mit überhöhter Geschwindigkeit Schlangenlinien gefahren bin. Lächerlich. Ich werde mich beschweren!“

Der Einsatzleiter guckt bedröppelt und wünscht mir eine gute Weiterfahrt. Die tödlichen Blicke des Wachtmeisters hinterlassen keinen Eindruck bei mir.

Bin ich ein gewiefter Hund?! Ja, bin ich.

PS

Diese Geschichte stammt nicht von mir. Ich kenne den Autor nicht und lege auch keinen Wert darauf.

Menschen, die Euch einen solchen Bären aufbinden wollen sind kein Umgang für mich!

Neben der Spur –

oder schwärzer geht ´s nicht

Ein Mann, vom Namen nicht bekannt,

dem war die Freundin durchgebrannt.

Nun jammert er – du meine Güte –

da er vom zartesten Gemüte.

So unerträglich war sein Schmerz,

die Kleine brach ihm fast das Herz.

Nun sitzt er da und schluchzt und flennt,

dass er sich kaum noch selber kennt.

Welch Sinn hat für ihn noch das Dasein?

Mit dieser Frage schläft er ein.

Wie er ganz ausser sich im Traum,

da sieht er einen Apfelbaum

mit einem sehr starkem Geäst,

an das sich wohl was hängen lässt.

An einem Ast da hing dann auch

ein Strick, solide zum Gebrauch

von Selbstmord: damit der gelinge,

war unten an dem Strick ´ne Schlinge.

Wie ´s denn im Traume dann so geht,

zufällig dort ´ne Leiter steht.

Die steigt behutsam er hinauf,

schlüpft in die Schling, hängt sich auf.

Wie er dann so am Baume zappelt,

glaubt er, er hätt´ sich aufgerappelt,

aus diesem bitter bösen Traum.

Doch hängt er wirklich an dem Baum!

Der Seeelenschmerz ihn so verwirrte,

dass er sich in der Handlung irrte.

Nun hängt er da und stirbt dahin,

er fragt sich nicht mehr nach dem Sinn;

und was er jetzt noch von sich gibt,

das stinkt – und ist nicht sehr beliebt.

So schaukelt er sanft in dem Wind,

bis eines Tags ihn jemand find.

So endet vielfach mancher Traum

ganz übel unterm Apfelbaum.

Mittwoch, 2. Januar 2008

Aus der schwarzen Serie:


Guten Appetit


Es huschten auf der Mauerkante

`ne Rättin und ein paar Verwandte.

Die suchten sich zum Neujahrsfest

zwecks Aufenthalts ein neues Nest.

In einem China Restaurant,

das sehr beliebt und auch bekannt,

da fand die Bande, was sie suchte.

So sehr auch der Besitzer fluchte,

er wurde Herr nicht dieser Plage,

weder des Nachts noch hell am Tage.

Da halfen auch nicht Gift noch Fallen,

die Tierchen trotzten diesem allen.

Doch unser Gastwirt war ein Schlauer:

so legte er sich auf die Lauer

und hatte innerhalb von Tagen

die ganze Rattenbrut erschlagen.

Und da die Nager ziemlich feist

hat sie der gute Mann dann dreist

im Wok sie knusprig gar gebraten.

Nun, liebe Freunde, dürft ihr raten,

was auf der Speisenkarte stand.

War nicht so schwer – ihr habt ´s erkannt:

Gebratenes Filet sauer- süss

fünf Köstlichkeiten vom Paradies.

Es schmeckte gut, war frisch wie nie,

nicht wie das Gammelfleisch der Industrie!


Dienstag, 1. Januar 2008

Schwarzer Humor

Die eifersüchtige Bäuerin

In des Kuhstalls fahlem Lichte

Bäuerin Frieda lauert dort.

Sie erwartet ihre Nichte,

ihre Augen sprühen Mord.

Vor zwei Tagen – gegen acht –

da erwischte sie den Bauern,

wie im Stroh er Liebe macht.

Sie stand da mit Rückenschauern,

als sie Nichte Elsa sah,

die sass rittlings auf dem Bauern,

konnt ´s nicht glauben, was geschah!

Heimlich schlich Frieda von hinnen,

man hat sie nicht wahrgenommen.

Diese war jedoch von Sinnen,

wie ihr Heinrich so verkommen!

Rache schwor sie, blut´ge Rache.

Eifersucht verstellt den Blick,

und so geht sie heut` zur Sache

mit der Forke und Geschick.

Kuhstalldüfte sie nicht stören:

voller Spannung steht sie da,

denn sie kann die Schritte hören

von der Schlampe Nichte Elsa.

Kaum, dass die den Stall betreten,

sticht die Frieda auf sie ein.

Elsa stirbt, da hilft kein beten,

unter fürchterlicher Pein.

Doch wohin jetzt mit der Leiche?

Bäuerin Frieda ratlos ist.

Tiefe Röte weicht der Bleiche,

gräbt die Elsa untern Mist.

Dort verwest nun ihr Kadaver,

es vermischt sich der Gestank,

dadurch gibt es kein Palaver,

mit dem Duft vom Gülletank.

Und was lehrt uns die Geschichte?

Allen Ungetreuen winkt

oft auch mal das Strafgerichte:

Strafe, die zum Himmel stinkt!

Sagt man so…

Man sagt so hin:

ein guter Freund.

Was hat man eigentlich

gemeint?

Gibt `s Freunde, die

ein wenig schlecht?

Mein lieber Freund,

ich weiss nicht recht!

Ob Adjektive lieb –

gar teuer

in Konnektion zu Freund

ist das mir nicht geheuer!